Nordhessen ist auf dem Weg in die Gigabitgesellschaft

Das größte Projekt zum Breitbandausbau in Europa steht vor dem Abschluss und nun entwickelt die Breitbandgesellschaft den Masterplan für Glasfaserkabel in jedes Haus

Nordhessen baut sein Datennetz aus. Denn etwa 300.000 der eine Million Einwohner der Region um Kassel leben so weit abseits des Ballungsraumes sowie der mittleren und kleineren Städte, dass niemals ein privatwirtschaftlicher Anbieter ein Interesse haben wird, deren Haushalte an ein schnelles Datennetz anzuschließen. Darum entschieden sich die 5 nordhessischen Landkreise als politische Initiative im Sinne einer Daseinsvorsorge für einen Ausbau eines flächendeckenden Hochgeschwindigkeitsnetzes „Wenn alle Kreise, alle Orte im Ausbaugebiet und alle potentiellen Kunden mitmachen, schaffen wir gemeinsam den Ausbau für uns alle“, lautete unsere Überzeugung. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, bis 2019 in der gesamten Fläche alle der zuvor schlecht versorgten, rund 570 noch so kleinen Ortsteile an das schnelle Netz anzuschließen. Dies bringt für jeden eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde. Durch den Einsatz von Vectoring sind nun sogar 100 Megabit pro Sekunde möglich. [...]

Der Projektfortschritt war und ist hervorragend, der Ausbau befindet sich gut im Plan und auf der Zielgeraden: Bis Ende 2019 soll das Netz stehen. Zum nächsten Dekadenwechsel wird Nordhessen also Großes geleistet haben.

Mit Abschluss des Breitbandausbaus in der ersten Stufe bis Ende 2019 haben 98 Prozent der Nordhessen eine Versorgung, die so gut ist, dass sie nach den gegenwärtigen Kriterien der EU keine weitere Förderung rechtfertigt. Derzeit prüfen wir, ob wir auch für die letzten zwei Prozent der Nordhessen das Netz ausbauen können. Zunächst einmal klären die Landkreise, wer oder was sich hinter den rund 4.000 möglichen Anschlusspunkten verbirgt. Ist es ein Wohnhaus, ein Gewerbebetrieb oder ein leerer Schuppen? Diese Gebäude stehen meist sehr weit vom Kabelverzweiger, dem Übergabepunkt für schnelle Daten im Ort, entfernt. Wenn diese möglichen Anschlusspunkte identifiziert sind, und wenn geklärt ist, ob sie für einen Anschluss überhaupt in Frage kommen, dann können diese Punkte nur über eine Direktanbindung mit Glasfaser erreicht werden. Das ist aufwändig und hat zudem seinen Preis.

Aber nicht genug mit punktuellen Direktanbindungen, wir denken viel weiter. Die Datenmengen, mit denen wir im Alltag arbeiten, und die wir hin und her senden, werden immer weiter wachsen. Heute sprechen wir von Megabit. Bald werden wir die Datenmengen in Gigabit messen. Um in die Gigabitgesellschaft hineinwachsen zu können, brauchen wir auch in Nordhessen Glasfaserkabel bis zu jedem Gebäude.

Wir haben deshalb eine Strategie entwickelt, um dieses Ziel zu erreichen. Aber wir wissen auch, dass nicht sofort mit einem flächendeckenden FTTB/H-Ausbau begonnen werden kann. Wir benötigen eine Planung, in der beschrieben wird, wie der langfristige und gezielte Ausbau eines FTTB/H-Netzes vorbereitet und begleitet werden kann. Wir müssen uns auf Entscheidungskriterien zur Beantwortung der Frage verständigen, ob und welche Infrastrukturelemente bei anstehenden linienhaften Tiefbauarbeiten zu verlegen sind. Was ist die Basis für die Ermittlung notwendiger Investitions- und Fördermittelbudgets für einen späteren, flächendeckenden FTTB/H-Ausbau? Wie bereiten wir die konkrete FTTB/H-Erschließung in einzelnen Kommunen und Städten vor? Das sind nur wenige der zentralen Fragen, die sich nun stellen. Mit der Zielnetzplanung geben wir schließlich auch Antworten auf Fragen, die sich für Städte und Kommunen aus dem Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze (DigiNetzG) ergeben. Vor diesem Hintergrund bilden der Projektansatz der BNG und die Erstellung von kommunalen Zielnetzplanungen die zentralen Elemente in der Vorbereitung der Förderung sowie der Umsetzung des späteren flächendeckenden Gigabitausbaus.

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