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Breitbandgesellschaft Nordhessen sagt:

"Ausbau ist auf der Zielgeraden"

Die Geschäftsführerin der Breitbandgesellschaft Nordhessen, Kathrin Laurier, spricht im Interview über den weiteren Ausbau, die Finanzierung sowie über die Übertragungsraten.

Frau Laurier, die Breitbandgesellschaft Nordhessen (BNG) biegt mit ihrem Ausbauprojekt auf die Zielgerade ein. Wird jetzt nur noch gefeiert?

Nein, noch nicht. Denn die letzten Meter in einem Rennen sind häufig die härtesten. Wir müssen noch viele Aufgaben erledigen, um den Ausbau so schnell wie möglich abzuschließen.

Aber es sieht so aus, als würden Sie schneller fertig als ursprünglich geplant.

Ja, das haben wir durch die Optimierung von Prozessen und eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten geschafft.

Wann werden die letzten Arbeiten erledigt sein?

Ende des Jahres 2019. Dann haben wir insgesamt 2200 Kilometer Leerrohre in 570 Orten in ganz Nordhessen verlegt.

Gab es besondere technische Herausforderungen?

Ja, zum Beispiel die Querung des Edersees, die doch relativ zahlreichen Bahntrassen in Nordhessen, ein harter Winter und ein sehr heißer Sommer.

Welche Fragen beschäftigen die Nordhessen, die schon so lange auf den flächendeckenden Breitbandausbau warten?

Wir müssen häufig täglich aufs Neue erklären, dass das Verlegen des Leerrohres mit Glasfaserkabel noch nicht die Übertragung des Signals bis zum heimischen Computer bedeutet. Zu einem Bauabschnitt gehören immer mehrere Orte. Der Ausbau der einzelnen Ortsteile ist dabei eine Sache. Um aber alle mit dem Telekommunikationsnetz und damit auch mit dem Internet zu verbinden, muss der übergeordnete Versorgungsring durchgängig aufgebaut und an das Netz angeschlossen sein. Das heißt: Auch wenn der Bau von Rohren und Schränken bereits erfolgt ist, kann das Datensignal erst später eingespeist werden.

Der Ausbau des Breitbandnetzes fand zusammen mit den nordhessischen Landkreisen statt. Hat sich diese Zusammenarbeit bewährt?

Unbedingt. Die Kreise gründeten die BNG, die den Ausbau des Netzes und den Betrieb des Netzes europäisch ausgeschrieben hat. Das Land ermöglichte den Ausbau mit einem Darlehen von rund 128 Millionen Euro. Ohne das Engagement der öffentlichen Hand hätte niemand das schnelle Netz bis in die kleineren Orte Nordhessens gelegt. Das ist die Wahrheit. Und es ist kein Almosen, denn wir zahlen für die Infrastruktur, die uns allen nutzt, und die uns allen gehört. Am Ende ist der Ausbau in Eigenregie sogar billiger, denn wir wirtschaften als öffentliches Unternehmen allein im Interesse unserer Eigentümer: der Bürger.

© Foto: Werra-Rundschau / Staatskanzlei/FreY

 

Wie schnell sind denn nun die Daten beim Kunden?

Mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 50 Megabit/Sekunde. Mit Einsatz der neuen „Vectoring“-Technologie sind auch Zugangsbandbreiten von bis zu 100 Mbit/s im Download und bis zu 40 Mbit/s im Upload möglich.

Was ist das überhaupt: Vectoring?

Das ist eine Technik, die Störsignale – das sogenannte „Nebensprechen“ – kompensiert, sodass höhere Übertragungsraten je Teilnehmeranschluss möglich sind. Für diese Technik ist es allerdings – zurzeit – notwendig, dass nur ein Netzbetreiber Zugriff auf die Teilnehmeranschlussleitung hat.

Hat Nordhessen damit bis in nahezu jeden Winkel nun einen Top-Standard?

Wir erreichen mit dem aktuellen Ausbau eine Abdeckung mit dem schnellen Netz von 98 Prozent in der Fläche. Das ist schon sehr gut und laut EU-Definition auch „flächendeckend“. Das Ziel ist, mit unserer Gigabitstrategie die Erschließung bis in jedes Gebäude umzusetzen.

Aber mal im Ernst: Wann gibt es Glasfaser bis in jedes Haus?

Der Ausbau der Region Nordhessen auf FTTH/B kostet rund 1,3 Milliarden Euro. Das muss finanziert werden und geht nicht ohne Fördermittel.

Wir haben bisher nicht nur Lücken im Breitbandnetz, sondern auch im Mobilfunknetz. Sind Sie dafür auch zuständig?

Nein, das sind wir nicht, jedoch bildet die geschaffene Infrastruktur der Landkreise auch für die Verbesserung der Mobilfunkversorgung und den neuen 5G-Mobilfunkstandard eine gute Basis, denn auch Systeme und Maschinen müssen künftig immer mehr miteinander kommunizieren können.

 

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