Die Zukunft hat schon angefangen, und wir sind mittendrin

Carsten Rahier, geschäftsführender Gesellschafter der sera-Group, erwartet die exponentielle Beschleunigung der digitalen Transformation

IMMENHAUSEN. „Wir alle können uns nicht vorstellen, was die Digitalisierung im Einzelnen bewirken und wie sich unsere Welt in fünf bis zehn Jahren verändert haben wird“, sagt Carsten Rahier und schmunzelt über sich selbst. Denn der geschäftsführende Gesellschafter der international agierenden sera Group aus Immenhausen hat sich zur Vorbereitung auf ein Gespräch über die Digitalisierung und die Gigabitgesellschaft erst einmal einige Studien ausgedruckt, die getürmt zu einem ansehnlichen Packen Papier nun vor ihm liegen. „Obwohl ich der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen bin, obwohl ich mit Smartphone, iPad, Notebook und Cloud arbeite, und wir im Unternehmen mit Beginn des Jahres 2019 einen Chief Digital Officer als Verantwortlichen für die Bündelung unserer vielfältigen digitalen Initiativen ernannt haben, mache ich mir immer noch Notizen auf Papier und scanne sie dann ein. Ich muss meine Methodik und Arbeitsweise ändern und noch digitaler werden“, räumt Rahier selbstkritisch ein. Und er weiß, dass es höchste Zeit ist, umzudenken. Denn das Mooresche Gesetz, nach dem sich die Komplexität integrierter Schaltkreise bei geringen Kosten im Abstand von ein bis zwei Jahren verdoppele, habe seine Gültigkeit verloren, vermutet Rahier: „Wir sind an einem Wendepunkt. Die Beschleunigung nimmt weiter zu und geht in eine exponentielle Dynamik über. Und wir wissen derzeit noch nicht, wie wir Menschen da mitkommen können. Wir brauchen deshalb die Künstliche Intelligenz, um mit dieser Dynamik und den neuen Möglichkeiten der ,digitalen Revolution’ überhaupt Schritt halten zu können.“

Die digitale Revolution hat erst begonnen

Die Digitalisierung, blickt Rahier zurück, begann für sera als damaliger reiner Dosierpumpen- und Kompressoren-Hersteller in den 1980er Jahren mit der SPS, der Speicher-Programmierbaren-Steuerung. Dann wurden die Anlagen zunehmend intelligenter, sie arbeiteten immer mehr vernetzt und ihre Steuerung wurde dezentraler. Den Umbruch zu intelligenten, vernetzten und sich dezentral steuernden Einheiten terminiert Rahier etwa auf die späten 1990er Jahre. In den folgenden zehn Jahren, „aber so richtig greifbar und in der öffentlichen Diskussion aufkommend eigentlich erst ab 2010 bis 2015“ begann mit der zunehmenden Digitalisierung von Prozessen, Cloud-Infrastrukturen und dem Aufbau von Cyber-Physikalischen-Systemen für Rahier die eigentliche „digitale Revolution“. Durch die neuen technologischen Möglichkeiten werde die Trennung von Mensch und Maschine immer mehr aufgelöst und Künstliche Intelligenz realisierbar.

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